Geschichte des Marienkrankenhauses

Das Marienkrankenhaus wurde am 18. März 1864 in einem Privathaus in der Langen Reihe von Ordensschwestern des hl. Karl Borromäus gegründet und ist Hamburgs zweitältestes Hospital nach dem Krankenhaus St. Georg. Obwohl anfangs nur vier Borromäerinnen, zwei Wärter und der ehrenamtlich tätige Chirurg Dr. Danzel das Personal bildeten, konnten schon bald jährlich 200 bis 300 Patienten versorgt werden.

Da man schnell an Kapazitätsgrenzen stieß, zog man im März 1882 an den heutigen Standort um. An der Ecke Alfred-/Angerstraße hatte man größtenteils aus Spendenmitteln einen Neubau mit Platz für etwa 100 Kranke erstellt. Innerhalb der nächsten vier Jahre verdreifachte sich die jährliche Patientenzahl auf 1036, so dass ein neuer Flügel angebaut werden musste. Der Josephbau konnte am 14.11.1886 mit weiteren 80 Betten eröffnet werden.

Die erste erfolgreiche Blinddarmoperation auf dem europäischen Festland 1889 durch Dr. Kümmel im Marienkrankenhaus sowie der beispiellose Einsatz der Ärzte und Schwestern bei der letzten großen Cholera-Epidemie in Hamburg im Jahr 1892 verstärkten den guten Ruf des Marienkrankenhauses und ließen die Patientenzahlen weiter steigen.

Daher wurde 1899 mit dem Haus „St. Karl“ ein neuer Erweiterungsbau auf der gegenüberliegenden Seite der Alfredstraße realisiert. Dieser beinhaltete auch eine Krankenhausapotheke. Insgesamt konnte man nun 400 Kranke unterbringen bzw. zur Jahrhundertwende rund 2.500 Patienten pro Jahr behandeln. Doch noch immer reichte die Kapazität nicht aus und so wurde das neue Haus „St. Antonius“ im November 1910 bzw. Februar 1911 eingeweiht. Damit wurde das Marienkrankenhaus mit über 800 Betten zum größten Privatkrankenhaus der damaligen Zeit. 

1911 wurde die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung eingerichtet, 1913 die Krankenpflegeschule. Parallel dazu wurden zusätzliche Versorgungseinrichtungen wie beispielsweise eine moderne Heizungsanlage, Wäscherei sowie eine neue Küche und Bäckerei aufgebaut.

Im ersten Weltkrieg wurden im Marienkrankenhaus, das als Reservelazarett diente, über 9000 Militärpersonen versorgt. Nach dem Krieg zeigte sich, dass die Einrichtung des Hauses beim schnellen Wachstum nicht mit der Gesamtentwicklung hatte mithalten können. Trotz der dem Krieg folgenden Inflationszeit wagte man sich an den Um- und Ausbau der Gebäude.

So konnten am 22.01.1929 der große Neubau mit neuen Operationsräumen sowie endlich auch eine gynäkologische Station eingeweiht werden. Es folgte ein pathologisches Institut und die Verselbstständigung der Röntgenabteilung. 24 Ärzte behandelten die durchschnittlich 700 Patienten im modernisierten Krankenhaus.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Marienkrankenhaus wiederum als Militärlazarett genutzt. Nach dem großen Feuersturm über Hamburg 1943 mussten die Patienten zeitweilig nach Mecklenburg in die Pritzwalker Schule evakuiert werden. Glücklicherweise waren die Kriegsschäden gering, so dass der Betrieb schon einige Monate später wieder aufgenommen werden konnte.

Die folgenden Jahrzehnte standen vollends im Zeichen der Modernisierung. Aus großen Krankensälen wurde kleinere Krankenzimmer, neue Stationen und Operationssäle entstanden und modernste Geräte wurden angeschafft. In der Medizin wurden Fortschritte in prophylaktischer, diagnostischer und therapeutischer Hinsicht erreicht, die eine Entwicklung zur modernen Hochleistungsmedizin, in der alles machbar scheint, einleitete. Der ursprünglich caritative Ansatz der Pflege als Kunst der Leidensminderung hatte sich in zunehmendem Maße zu einer partnerschaftlichen Assistenz in der Therapie gewandelt, die Heilerfolge möglich machte. Sachzwänge der modernen Medizin waren geeignet, dem Kranken das Gefühl zu geben, sich in einer inhumanen Gesundheitsfabrik zu befinden. Damit einher gingen Betriebsabläufe, die zunehmend durch hohe Aktivitäten und dem Bemühen um Effektivität geprägt waren. Diese Entwicklung machte zwar vor dem Marienkrankenhaus nicht halt, aber die von den Ordensschwestern praktizierte „Pflege mit Herz“ hat das Haus geprägt. Umfragen belegen bis zum heutigen Tag, dass gerade die im Marienkrankenhaus erlebte menschliche Zuwendung bei der Hamburger Bevölkerung besonders hohes Ansehen genießt.




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