Verengte Halsschlagader:
OP in lokaler Betäubung

Mit zunehmendem Alter bilden sich in den Blutgefäßen Ablagerungen. Außerdem verlieren Arterien und Venen ihre Elastizität. Die Folge sind Verengungen (sogenannte Stenosen). Geschieht das in den Halsschlagadern (Arteria Carotis), steigt das Schlaganfallrisiko. Bei einer Operation hat sich in vielen Fällen die lokale Betäubung als vorteilhaft erwiesen. Grund: ist der Patient wach und ansprechbar, kann er jederzeit neurologisch exakt überwacht werden. Zum Einsatz kommt dabei auch ein gelbes Quietsche-Entchen.

Studien zufolge haben neun Prozent der Männer ab dem 65. Lebensjahr eine Verengung in der Halsschlagader, unter den gleichaltrigen Frauen sind es sieben Prozent. Dies bedeutet für Deutschland eine jährliche Anzahl von 20.000 bis 30.000 Schlaganfällen, die auf diese Verengungen zurückzuführen sind.

Team im Operationssaal
Bei der Carotis-OP hat sich in vielen Fällen die lokale Betäubung als vorteilhaft erwiesen.

„In der Fachwelt ist allgemein akzeptiert, dass Patienten, bei denen die Verengungen der Halsschlagader mehr als 70 Prozent beträgt, von der Operation profitieren“, sagt Dr. Christos Petridis, Leitender Arzt der Gefäßchirurgie und im Gefäßzentrum am Marienkrankenhaus. „Bei asymptomatischen Stenosen empfiehlt sich der Eingriff ab einem Verengungsgrad von 75 Prozent.“ Lange wurde diese Hochrisiko-OP an einer der wichtigsten Blutbahnen des Menschen ausschließlich in Allgemeinnarkose vorgenommen. Jetzt tritt die lokale Betäubung zunehmend in den Vordergrund – wenn auch in geringerer Fallzahl.

Unterversorgung des Gehirns verhindern

„Bei der Operation an der Halsschlagader muss das hirnversorgende Blutgefäß vorübergehend abgeklemmt werden“, erklärt Petridis. „Das kann unter Umständen zu einer Minderdurchblutung des Gehirns führen – zum Beispiel, wenn sich herausstellt, dass die Halsschlagader der Gegenseite ebenfalls verengt ist. Um diese Entwicklung frühzeitig zu erkennen und eine Unterversorgung beispielsweise durch die Einlage eines Shunts zu verhindern, ist es von Vorteil, wenn der Patient wach und ansprechbar ist.“

Was macht eine Ente im OP?

Zur neurologischen Kontrolle fordert der Anästhesist den Patienten während des Eingriffs alle 30 Sekunden auf, mit der Hand ein Quietsche-Entchen zu drücken. Bleibt der Patient während der Abklemmphase neurologisch unauffällig, kann auf die Einlage eines Shunts verzichtet werden, denn auch sie ist mit einem gewissen Schlaganfallrisiko verbunden.

Quietscheente in der Hand einer Patientin
Zur neurologischen Kontrolle drückt der Patient während des Eingriffs alle 30 Sekunden ein Quietsche-Entchen.

„Mit der speziellen Plexusanästhesie wird zudem sein Kreislauf nicht so stark belastet wie bei einer Allgemeinanästhesie“, so Prof. Dr. Norbert Rolf, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Marienkrankenhaus. „Die Punktionsnadel wird dabei sonografisch kontrolliert und die Ausbreitung des Anästhetikums am Wirkort dargestellt.“ Gerade in anatomisch komplexen Zonen sei das sehr hilfreich. Dennoch könne laut Rolf nicht ausgeschlossen werden, dass während des Eingriffs eine Nachinjektion des Regionalanästhetikums erforderlich sei. In seltenen Fällen müsse in die Allgemeinanästhesie übergeleitet werden. Auch sei zu berücksichtigen, dass nicht jeder Patient für eine OP unter lediglich lokaler Betäubung infrage komme – schon aus anatomischen Gründen.

Dauer des Eingriffs:
rund 90 Minuten

Die Operation dauert in der Regel 90 Minuten. Im Marienkrankenhaus werden mittlerweile pro Jahr 30 bis 40 Patienten mit einer verengten Halsschlagader im wachen Zustand operiert.

Portrait von Dr. Christos Petridis
Dr. med. Christos Petridis ist Leitender Arzt der Gefäßchirurgie und im Gefäßzentrum am Marienkrankenhaus.
Dr. med. Christos Petridis | FEBVS, FICS
FEBVS, FICS

Dr. med. Christos Petridis

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  • Besondere Schwerpunkte

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    • Dialysezugangs-Chirurgie
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    • Carotis-Chirurgie
    • Septische Gefäßchirurgie (operative Behandlung von Infektionserkrankungen) 
    • Amputations-/Wundchirurgie
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    • Hellenic Society for Vascular Surgery
    • Anglo-german Medical Society
    • British Society of Endovascular Therapy
    • Michael E. DeBakey International Surgical Society
    • Vascular Access Society
    • International College of Surgeons
  • Weiterbildungen

    • Facharzt für Gefäßchirurgie
    • Zertifizierter Endovaskulärer Chirurg (DGG)
    • Fellow of the European Board of Vascular Surgery  (U.E.M.S.)
    • Fachkunde Strahlenschutz: Notfalldiagnostik bei Erwachsenen und Kindern (Röntgendiagnostik) für Schädel-, Stamm- und Extremitätenskelett, Thorax, Abdomen
    • Fachkunde Strahlenschutz: Röntgendiagnostik Gefäßsystem, Interventionen Gefäßsystem
  • Lebenslauf

    04/2017 Leitender Arzt der Gefäßchirurgie am Marienkrankenhaus Hamburg, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
    04/2017FICS - Fellow of the International College of Surgeons
    09/2015 FEBVS – Fellow of the European Board of Vascular Surgery (U.E.M.S.) 
    06/2015 Zertifizierung als Endovaskulärer Chirurg (DGG) 
    04/2015Oberarzt der Gefäßchirurgie am Gefäßzentrum Elmshorn, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, und Gefäßchirurgie, Sana Regioklinik Elmshorn 
    03/2015Fachkunde Strahlenschutz: Röntgendiagnostik Gefäßsystem
    Fachkunde Strahlenschutz: Interventionen Gefäßsystem 
    01/2015Fachkunde Strahlenschutz: Notfalldiagnostik bei Erwachsenen und Kindern (Röntgendiagnostik) für Schädel-, Stamm- und Extremitätenskelett, Thorax, Abdomen
    10/2014Facharzt für Gefäßchirurgie 
    10/2012 - 11/2014Assistenzarzt an der Abteilung für Gefäßchirurgie, Gefäßzentrum Reinbek, Krankenhaus Reinbek St. Adolf Stift 
    04/2010 - 09/2012 Assistenzarzt an der Abteilung für Gefäßchirurgie, Gefäßzentrum Hamburg Ost, Asklepios Klinikum Wandsbek
    05/2008 - 03/2010Assistenzarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Amper-Klinik Dachau
    11/2007 - 04/2008 Assistenzarzt an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums München, Technische Universität München
    10/1999 - 06/2007Studium der Humanmedizin, Universität Hamburg
    Geboren am 13.05.1980 in Hamburg
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Prof. Dr. med. Norbert Rolf, DEAA, EDIC
DEAA, EDIC

Prof. Dr. med. Norbert Rolf

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  • Meine Motivation

    Anästhesisten sind Ärzte, die Patienten am Leben halten. Möglichst hohe Sicherheit und geringstmögliche Beeinträchtigung, das sind die Hauptaufgaben, damit ein Eingriff heilsam durchgeführt werden kann. Die Anästhesie ist die ideale Mischung aus Einzelkämpferdasein und Teamgeist. Die Mischung aus Ruhe und Gelassenheit im einen Moment, aber maximaler Aufmerksamkeit und Leistung im nächsten Moment, dem Bereitsein für den Ernstfall, erfüllt den Beruf des Anästhesisten mit Leben und Spannung. Die Intensivmedizin, die spezielle Schmerztherapie, die Notfallmedizin und die Palliativmedizin sind wichtige Komponenten des Faches.
  • Lebenslauf

    seit 2016zusätzlich Ärztlicher Direktor am Marienkrankenhaus
    seit 2002Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Marienkrankenhaus
    2008Zusatzbezeichnung Palliativmedizin
    2006Europäisches Intensivmedizin Diplom (EDIC)
    2004Europäisches Anästhesie Diplom (DEAA)
    2002Außerplanmäßige Professur an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
    1999Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie
    1997Habilitation und Venia legendi für Anästhesiologie und Intensivmedizin
    1996Zusatzbezeichnung Spezielle Intensivmedizin
    1995Ernennung zum Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Universität Münster; zwischenzeitlicher Forschungsaufenthalt an der Universität Leuven, Belgien
    1993Facharzt für Anästhesiologie
    1986-1993Assistenzarzt in der Inneren Medizin sowie der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin an der Universitätsklinik Münster; Forschungsstipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der Harvard Medical School, Boston
    1980-1986Studium der Humanmedizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und an der Universität Seattle, USA
    1960geboren in Gütersloh

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