Neueste Technik in der Mitralklappen-Therapie - erstmals in Norddeutschland

Wie Herzspezialisten im Marienkrankenhaus Hamburg mit einem etablierten, nicht-operativen Verfahren die Mitralklappe einer Patientin mit der neu zugelassenen PASCAL-Therapie reparierten und so deren Luftnot beseitigten.

Wer Ursula A. (84) an diesem Nachmittag im Sprechzimmer von Prof. Ulrich Schäfer (Chefarzt der Kardiologie am Marienkrankenhaus) erlebt, mag kaum glauben, dass diese energiegeladene Frau mal keine Puste hatte. Ursula A. schäkert mit ihren Ärzten, strahlt zwischendurch immer wieder ihren Mann an und fühlt sich sichtlich wohl: „Prof. Schäfer und sein Team haben mir wieder Lebensqualität geschenkt. Ich konnte zum Schluss ja nicht mal mehr im Liegen schlafen.“

Die Mitralklappe

Prof. Schäfer: „Die Mitralklappe funktioniert wie ein Rückschlagventil. Das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge fließt bei geöffneter Klappe in die linke Herzkammer. Ist die Kammer ausreichend gefüllt, schließt sich die Klappe und das Blut wird in die große Körperschlagader (Aorta) gepumpt. Bei Frau A. schloss die Mitralklappe kaum noch und das sauerstoffreiche Blut floss immer wieder in den Vorhof zurück. Da ist man dann sehr kurzatmig.“

Chefarzt Prof. Dr. med. Ulrich Schäfer bei dem minimal-invasiven Eingriff.

Der Leitende Oberarzt Dr. Ingmar Nowak ergänzt: „Vor nicht allzu langer Zeit wäre dies ein Fall für die Herzchirurgie gewesen. Die hätte dann das Brustbein geöffnet, das Herz an die Herz- Lungenmaschine angeschlossen und stillgelegt, um dann die Klappe zu reparieren. Alles in allem ein sehr großer Eingriff, von dem sich viele ältere Patienten nie wieder vollständig erholt haben. In vielen Fällen können wir heute mit durch die Blutgefäße geschobenen Kathetern und Clips helfen.“

„Bei Frau A. haben wir mit dem Pascal-Device die neueste Generation der Clips verwendet“, so Prof. Schäfer. „Diese Clips federn stärker und schonen dadurch das Gewebe, außerdem haben sie in der Mitte einen Stift, der mit dazu beiträgt die Undichtigkeit zu verschließen.“

Wenn der Weg ins Paradies zu weit wird

Ursula A. litt seit zwei Jahren unter Herzproblemen. Die Luftnot störte sie zwar, aber dennoch waren die Einschränkungen nicht so dramatisch. Sie hatte weiterhin die beiden Töchter und die Enkelkinder besuchen können. Die Geburt des ersten Urenkels hatten sie vor einem halben Jahr gefeiert. Natürlich war sie auch zusammen mit ihrem Mann regelmäßig einkaufen gegangen und gekocht hatte sie auch wie immer. Dann aber kam der Tag, an dem sie die 500 Meter vom Auto bis ins Paradies nicht mehr laufen konnte. Das Paradies ist der Schrebergarten der Eheleute A. Übereinstimmend sagt das Ehepaar: „Unser Schrebergarten ist unsere Oase, wir brauchen keine Reisen, wir haben unser Paradies.“ 60 Jahre sind Ursula und Gunter A. verheiratet, im Januar haben sie die diamantene Hochzeit gefeiert.

Eingriff im Herzkatheterlabor

Da Ursula A. schon mehrfach gute Erfahrungen mit dem Marienkrankenhaus gemacht hatte und das Krankenhaus in der unmittelbaren Nähe zur Wohnung des Ehepaars liegt, fiel die Entscheidung leicht. An einem Freitagvormittag liegt Ursula A. auf der Liege im Herzkatheterlabor. Die Anästhesisten haben die Narkose eingeleitet, Oberarzt Dr. Dimitry Schewel das Herz-Ultraschall in der Speiseröhre platziert und Prof. Schäfer und Dr. Nowak den Röntgendetektor eingestellt und die Katheter und den Clip bereitgelegt.

Das Pascal-Device ist die neueste Generation der Clips. Sie federn stärker und schonen dadurch das Gewebe.

Prof. Schäfer: „Das Wichtigste ist nun eine gute Darstellung der anatomischen Situation der Herzklappe. Dazu müssen Röntgen und Ultraschall optimal aufeinander abgestimmt sein. Glücklicherweise haben wir dadurch, dass wir am schlagenden Herzen arbeiten eine sofortige Erfolgskontrolle. Sitzen die Clips nicht ideal, wiederholen wir die Prozedur so lange, bis das Blut nicht mehr zurückfließt.“

Bei Ursula A. dauert es ein wenig bis Röntgen und Ultraschall so aufeinander abgestimmt sind, dass Prof. Schäfer zufrieden ist. Er schiebt den Katheter an die richtige Stelle, rangiert noch ein wenig und platziert den Clip, fixiert erst dessen rechtes Ärmchen, dann das linke. Die beiden Segel sind verbunden, aber das Ultraschallbild stellt die Ärzte noch nicht zufrieden – es fließt immer noch Blut zurück in den Vorhof. Erneut werden die Ärmchen justiert, jetzt scheint der Rückfluss gestoppt. Minutenlang beobachten die Ärzte das Ultraschallbild, die Anspannung löst sich langsam, dann das erlösende Kommando: "Rückzug".

Enges Zusammenspiel

Ursula A. wird von den Anästhesisten zur Überwachung auf die Intensivstation gebracht. Prof. Schäfer: „Bei derartigen Eingriffen ist die Zusammenarbeit mit den Anästhesisten immens wichtig. Die Anästhesie sorgt dafür, dass wir diese Eingriffe überhaupt durchführen können und sie gibt den Patienten und uns Sicherheit durch die Überwachung nach dem Eingriff. Nur dieses Zusammenspiel verschiedener Fachgebiete ermöglicht es, dass wir die Patienten üblicherweise nach drei bis vier Tagen in die Reha entlassen.“

Ursula A. und ihr Mann (links) freuen sich gemeinsam mit dem Behandlungsteam über das Ergebnis des Mitralklappen-Eingriffs.

Auch Ursula A. wird in die Reha entlassen. Gedanklich ist sie aber schon im Paradies: „Ich freue mich schon so auf die Pflanzzeit.“ Ihr Mann bremst sie ein wenig: „Nun werd‘ erstmal wieder richtig gesund.“ Ursula A. ist da aber schon wieder einen Schritt weiter: „Wissen Sie worauf ich mich freue? Auf die Spargelzeit: frischer Spargel mit neuen Kartoffeln.”

Prof. Schäfer: „Unsere Patienten sind häufig in fortgeschrittenem Alter und haben meist auch mehrere Erkrankungen. Mit unseren minimal-invasiven Techniken sorgen wir bei vielen Patienten dafür, dass sie auch nach den Eingriffen ein selbstbestimmtes Leben genießen können. Wie auch bei dem Pascal-Device sind wir in die Entwicklung einiger Produkte mit eingebunden, Stillstand ist also für uns keine Option.“

Ihr Experte

Prof. Dr. med. Ulrich Schäfer

Prof. Dr. med. Ulrich Schäfer

Mehr anzeigen

  • Spezialgebiete & Arbeitsschwerpunkte

    • Therapie von strukturellen Herzerkrankungen im Rahmen der Katheter-interventionellen Klappentherapie (TAVI, TMVI, Mitraclip, Cardioband,
    • Trikuspidal-Rekonstruktion / Ersatz) und andere strukturelle Herzdefekte (TASH, PFO/ASD/VSD-, LAA-, Fistel/Leck-Verschluss)
    • Interventionelle Bildgebung
    • Interventions-Techniken zur Therapie der koronaren Herzerkrankung
    • Neue interventionelle Therapieverfahren zur Behandlung der Herzinsuffizienz
  • Wissenschaftliche Schwerpunkte

    • Neurohumorale Regulationsmechanismen bei Ischämie und Reperfusion
    • Modulationsmechanismen der sympathischen Nervenaktivität
    • Endotheliale Dysfunktion, Inflammation, Sepsis, Hämostasiologie
    • Biomarkerkinetik beim perkutanen Klappenersatz
    • Hämodynamik, Druckvolumen-Beziehung bei interventionellen Eingriffen
  • Ausbildung und berufliche Stationen

    • Medizinstudium in Lübeck, Basel, Houston und Chicago
    • Klinische Ausbildung zum Kardiologen / Internisten ab 2001 in Lübeck 
    • Nach fast drei Jahren Forschungsaufenthalt in New York Habilitation 2010 in Lübeck (Innere Medizin)
    • Seit 2008 in oberärztlicher Verantwortung in Hamburg tätig
    • Maßgebliche Leitung des Aufbaus und der Weiterentwicklung von Therapieprogrammen zur Behandlung von strukturellen Herzerkrankungen
    • Asklepios Klinikum St. Georg (2008 bis 2013)
    • 2014 Wechsel als Geschäftsführender Oberarzt an das Universitäre Herzzentrum in die Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie am Universitätsklinikum Eppendorf Hamburg
  • Mitgliedschaften & Funktionen (Auszug)

    • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislauferkrankungen
    • Arbeitsgruppen-Mitglied der AG26 Aortenerkrankungen und der AG6 Interventionelle Kardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
    • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin
    • Mitglied der European Society of Cardiology (ESC)
    • Mitglied der „Heart Failure Association“ der ESC

Kontakt

Fragen? Schreiben Sie gern eine E-Mail oder rufen Sie uns an unter Tel. 040/25 46-21 02. Faxnummer: 040/25 46-21 00.