Strukturelle Herzerkrankungen

Leitung Therapie Struktureller Herzerkrankungen: Oberarzt Dr. med. D. Schewel
Stellvertretende Leitung: Oberarzt Dr. med. I. Nowak 
Mitarbeiter: Oberarzt Dr. med. C. Saur, Dr. med. J. Schewel

Als strukturelle Herzerkrankungen werden angeborene oder erworbene Defekte des Herzens bezeichnet. Dazu gehören:

Herzklappenerkrankungen

  • Aortenklappenstenose
  • Aortenklappeninsuffizienz
  • Mitralklappeninsuffizienz
  • Mitralklappenstenose
  • Trikuspidalklappeninsuffizienz
  • Pulmonalklappenstenose
  • Pulmonalklappeninsuffizienz

Defekte der Herzscheidewand

  • Persistierendes Foramen ovale (PFO)
  • Atrialer Septum Defekt (ASD)
  • Ventrikelseptumdefekt (VSD)

Herzmuskelerkrankungen

  • Ischämische Kardiomyopathie (ICM)
  • Dilatative Kardiomyopathie (DCM)
  • Hypertroph obstruktive / nicht-obstruktive Kardiomyopathie (HOCM / HNOCM)

Andere Erkrankungen

  • Koronarfisteln (arteriovenöse Malformationen)
  • Aneurysmatische Veränderungen der Herzwände oder Gefäße
  • weitere angeborene strukturelle Defekte

Bleiben solche Erkrankungen lange unbehandelt, kommt es zu unumkehrbaren Veränderungen am Herzen, was letztendlich zu lebensgefährlichen kardialen Ereignissen führt.

Zur Behandlung struktureller Herzerkrankungen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die medikamentöse Therapie besteht aus zahlreichen Komponenten und unterstützt den Herzmuskel bei der Arbeit. Um jedoch die eigentliche Ursache zu behandeln, muss die strukturelle Veränderung korrigiert werden. Dies war noch bis vor kurzem ausschließlich mittels chirurgischer Eingriffe am offenen Herzen möglich. In den vergangenen 10 Jahren wurden moderne und schonende Verfahren etabliert, die es erlauben, durch kleinste Zugänge (meist der Leistengefäße) per Katheter derartige Herzerkrankungen zu behandeln. So können vor allem bei schwer kranken Patienten oder Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter (über 80 Jahre) große und komplizierte Operationen am offenen Herzen vermieden werden.

Herzklappenerkrankungen

Die Herzklappen sind die Ventile im Herzen. Sie sorgen dafür, dass die Arbeit des Herzens möglichst effizient erfolgt und dass das Blut in die richtige Richtung fließt. Kommt es zu einer Erkrankung der Herzklappen, ist diese Ventilfunktion eingeschränkt. Meistens ist entweder die Schließfähigkeit der Herzklappe eingeschränkt und sie ist undicht (Insuffizienz) oder sie öffnet nicht ausreichend und ist verengt (Stenose). Aber auch Kombinationen von Stenose und Insuffizienz sind möglich. Alle Erkrankungsformen führen zu einer Mehrarbeit und Überlastung des Herzens.

Im letzten Jahrzehnt haben sich die Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankungen von Herzklappen massiv weiterentwickelt. Viele Herzklappenerkrankungen können heute ohne größere Operation mit Hilfe von Kathetern behandelt werden. Dabei ist es wichtig, die optimale Therapie unter den verschiedenen Alternativen auszuwählen. Gerade bei Patienten mit einem höheren Lebensalter oder mit schweren Begleiterkrankungen ist eine solche schonende minimal-invasive Behandlung von besonderer Bedeutung.

In unserer Klinik legen wir großen Wert darauf, Patienten sorgfältig für verschiedene Behandlungsstrategien zu ermitteln und die beste Behandlung zu empfehlen. Dabei werden Risiken und die zu erwartende Ergebnisse, sowie die technische Durchführbarkeit der jeweiligen Eingriffe in diesen Entscheidungsprozess mit eingebunden. Die Entscheidungen werden dabei in Teams mit verschiedenen ärztlichen Disziplinen (Interventionelle Kardiologie, Herzchirurgie, Anästhesiologie etc.) intensiv diskutiert und mit den Patienten ausführlich besprochen.

Leitung

Dr. med. Dimitry Schewel | Echokardiographie / Studienabteilung
Echokardiographie / Studienabteilung

Dr. med. Dimitry Schewel

Stv. Leitung

Dr. med. Ingmar Nowak | Invasive Kardiologie, Herzkatheter, Angiologie
Invasive Kardiologie, Herzkatheter, Angiologie

Dr. med. Ingmar Nowak

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  • Besondere Schwerpunkte

    Angiologie: 

    • Leitung der Interventionellen und klinischen Angiologie inkl. Gefäßsprechstunde 
    • Duplexsonographie der peripheren Arterien und Venen (Arm- und Beingefäße), hirnversorgenden Arterien, der Bauch- und Nierengefäße
    • PTA (Ballondilatation) der Arterien und Venen mit Implantation von Stents und Endoprothesen
    • Rekanalisation, Lysetherapie und Atherektomie von Gefäßverschlüssen 
    • Thrombose- und Lungenemboliediagnostik inkl. interventioneller Therapie 

    Kardiologie: 

    • Koronarangiographie und PTCA (Ballondilatation und Stentimplantation der Herzkranzgefäße)
    • Echokardiographie (Ultraschall-Untersuchung des Herzens)



  • Fachliche Weiterbildungen

    Facharzt für Innere Medizin

    • Schwerpunktbezeichnung Kardiologie
    • Schwerpunktbezeichnung Angiologie

    Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie DGK®

    Zusatzqualifikation Interventionelle Therapie der arteriellen Gefäßerkrankungen DGK/DGA®

    Fachkunde Strahlenschutz und Spezialkurs Interventionsradiologie 

  • Weiterbildungsermächtigung

    Volle Ärztliche Weiterbildungsermächtigung für Innere Medizin, Schwerpunkt Angiologie (36 Monate) 

  • Mitgliedschaft in Fachgesellschaften

    • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
    • Deutsche Gesellschaft für Angiologie
    • Norddeutsche Gesellschaft für Gefäßmedizin

  • Aortenklappenstenose

    Hintergrund

    Eine der häufigsten Klappenerkrankung im Erwachsenenalter ist die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose). Diese Krankheit muss, wenn sie fortgeschritten ist und Beschwerden verursacht, dringend behandelt werden, um lebensgefährliche Situationen zu verhindern. Dafür muss die kranke Herzklappe durch eine Herzklappenprothese ersetzt. Dies kann entweder mittels einer herzchirurgischen Operation (Aortenklappenersatz) oder durch eine Katheter-gestützte Implantation einer Aortenklappenprothese (TAVI) durchgeführt werden.

    Moderne Behandlung der Aortenklappenstenose

    In den letzten Jahren haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt, dass die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) bei Patienten, die nicht operationsfähig sind oder ein hohes und mittleres Operationsrisiko haben, als Therapie bevorzugt werden sollte. Seit August 2019 sind diese Eingriffe in den USA auch bei Patienten mit niedrigem Risiko durch die dortige Bundesgesundheitsbehörde (FDA) zugelassen worden.

    Dieser Eingriff kann wie bei einer Herzkatheteruntersuchung über das Gefäßsystem durchgeführt werden, erfordert keine Eröffnung des Brustkorbs, keine Zuhilfenahme einer Herz-Lungen-Maschine und auch keine Vollnarkose. Der häufigste und bevorzugte Weg für eine TAVI ist dabei die Implantation über die Leistenarterie (transfemorale Aortenklappenimplantation). Bei Patienten, bei denen dieser Eingriff nicht über die Leistengefäße erfolgen kann, weil diese z.B. zu klein sind, kann die Implantation alternativ über die Herzspitze (transapikale TAVI), direkt über die Hauptschlagader (transaortale TAVI) oder über die Schlüsselbeinarterie (transaxilläre TAVI) erfolgen. Um den Patienten eine möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten, ist bei allen TAVIs ein Team aus Kardiologen, Herzchirurgen und spezialisierten Anästhesisten anwesend. Die Eingriffe werden bei unserem chirurgischen Kooperationspartner in einem Hybrid-OP durchgeführt. Es gibt unterschiedliche Aortenklappenprothesen mit unterschiedlichen technischen Eigenschaften.

    Prof. Schäfer als Chefarzt der Abteilung für Kardiologie besitzt Erfahrungen mit allen Implantationswegen, da er über 10 Jahre die Programme in der Asklepios Klinik St. Georg (2008-2013) und am Universitären Herzzentrum Hamburg (2014-2018) geleitet hat. Mit über 2.500 TAVI-Eingriffen gehört Prof. Schäfer zu den sehr erfahrenen Anwendern. In Hamburg wurden alle kommerziell verfügbaren Klappentypen verwendet. Durch die Erfahrung mit unterschiedlichen Klappentypen kann je nach Anatomie und weiteren Erkrankungen der Patienten immer die optimale Klappe ausgewählt werden, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

    Der Eingriff dauert etwa 60 Minuten und wird in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt. Nach dem Eingriff kommen die Patienten, für ein bis zwei Nächte auf eine Überwachungsstation und anschließend für ca. 3 bis 5 Tage auf die Normalstation. Die neue Klappenprothese wächst im Verlauf ein und wird von einer Gefäßinnenhaut überzogen. Für die Zeit der Einheilungsphase ist eine Blutplättchenhemmung mit 2 Medikamenten (ASS und Clopidogrel) für 12 Wochen zu empfehlen. Anschließend kann das Clopidogrel abgesetzt werden, ASS sollte jedoch lebenslang eingenommen werden.

    Therapie bei degenerierten biologischen Herklappenprothesen

    Biologische Prothesen können nach einiger Zeit (ca. 10 Jahre) degenerieren. Dann kann es erneut zu einer Verengung (Stenose) oder Undichtigkeit (Insuffizienz) kommen. Meistens ist dann eine erneute Operation mit einem noch höheren Risiko behaftet. Bei Patienten mit einer degenerierten Aortenklappenprothese besteht die Möglichkeit das Problem mit einer TAVI zu beheben. Es wird eine transfemorale Aortenklappenimplantation in die degenerierte Bioprothese vorgenommen: ein sogenannter „valve-in-valve“ oder „Klappe-in-Klappe“ Eingriff.

    Aortenklappensprengung / Ballon-Valvuloplastie

    In seltenen Fällen ist es sinnvoll, eine verengte Aortenklappe lediglich mit einem Ballon aufzudehnen (Aortenklappensprengung oder Ballon-Valvuloplastie). Dieser Eingriff erfolgt meistens in Notfallsituationen, um Patienten zu stabilisieren oder als kurzfristig wirksame Therapie, um z.B. für einen anderen Eingriff Zeit zu gewinnen. Der Effekt einer Aortenklappensprengung ist zeitlich begrenzt, so dass es nicht als dauerhafte Therapie vorgesehen werden sollte.

  • Paravalvuläre Leckagen

    Paravalvuläre Lecks sind eine postoperative (Spät-)Komplikation nach chirurgischem und auch interventionellem Herzklappenersatz. Die Häufigkeit solcher Leckagen ist nicht genau bekannt doch können sie eine Herzinsuffizienz und/oder schwere Hämolyse verursachen. Nehmen die Beschwerden deutlich zu, muss die undichte Herzklappe ersetzt oder das Loch verschlossen werden. Eine nochmalige Operation mit Eröffnung des Brustkorbs ist mit einem deutlich höheren operativen Risiko und einer höheren Wahrscheinlichkeit für postoperative Komplikationen behaftet. So wird der Verschluss von paravalvulären Lecks mittels kleiner Okkluder per Katheter bevorzugt.

  • Mitralklappeninsuffizienz

    Hintergrund

    Die Mitralklappeninsuffizienz ist die häufigste Klappenerkrankung im Erwachsenenalter. Wird sie nicht behandelt, führt sie bei den Betroffenen ab einem gewissen Schweregrad zu einer chronisch relevanten Volumenüberlastung des Herzens, welche später zur Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen führt. Es gibt eine Vielzahl von operativen Maßnahmen, um entweder die erkrankte Herzklappe zu reparieren, oder sie komplett durch eine Prothese zu ersetzen. Bei Patienten mit niedrigem Operationsrisiken ist die herzchirurgische Therapie zu bevorzugen. Allerdings gibt es auch viele Patienten, die bereits eine ausgeprägte Herzschwäche (Herzinsuffizienz) haben, unter schweren Begleiterkrankungen leiden oder durch ihr Alter für eine Operation nicht in Frage kommen. Daher wurden verschiedene interventionelle Herzkatheter-Eingriffe entwickelt und stehen für solche Patienten zur Verfügung.

    Moderne Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz

    Die etablierteste Methode eine Mitralklappeninsuffizienz ohne Operation zu behandeln ist die Implantation von einem oder mehreren Clips an der Mitralklappe (MitraClip). Dabei kann die Undichtigkeit deutlich reduziert oder komplett beseitigt werden. Hierfür wird unter Vollnarkose ein Katheter durch die Leistenvene zum rechten Herzen vorgeführt und dann über die Herzvorhofscheidewand in den linken Vorhof eingeführt. Der Clip wird am schlagenden Herzen an beiden Segeln der Mitralklappe befestigt. Mit Hilfe der gleichzeitigen Ultraschallkontrolle wird der Therapieerfolg sofort sichtbar. Die Patienten werden unmittelbar nach dem Eingriff wach und können bereits am nächsten Tag wieder aufstehen. Wir haben in Hamburg eine langjährige Erfahrung mit dieser Methode und haben insbesondere bei Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche, als auch bei älteren und schwer kranken Patienten mit degenerativ veränderten Mitralklappen, MitraClips erfolgreich in hoher Zahl implantiert. Auch bei Patienten mit erneuter Undichtigkeit der Mitralklappe nach chirurgischer Mitralklappenrekonstruktion ist dieses Verfahren erfolgreich anwendbar. Zudem setzen wir zunehmend häufig den neuartigen PASCAL Clip der Firma Edwards ein, der unter anderem die Möglichkeit bietet beide Clip-Arme unabhängig voneinander zu bedienen.

    Für einige Patienten besteht auch die Möglichkeit der Implantation eines ringförmigen Bandes - das Cardioband der Firma Edwards. Das Cardioband-System ermöglicht die Rekonstruktion der Mitralklappe mittels Ringverstärkung („Annuloplastie“) unter Verwendung eines transfemoral eingebrachten Katheters. Das Cardioband® wird unter echokardiografischer Kontrolle und Durchleuchtung eingesetzt und anatomisch eingepasst. Durch die Reduktion des Durchmessers der Mitralklappe um bis zu 30%, erfüllt das Verfahren die chirurgische Definition einer Herzklappenrekonstruktion.

  • Mitralklappenstenose

    Die Mitralklappenstenose ist inzwischen eine seltene Erkrankung geworden, da das Rheumatische Fieber durch konsequenten Einsatz von Antibiotika stark zurückgedrängt werden konnte. Die Ballonklappensprengung zur Behandlung der Mitralklappenstenose wurde erstmals 1984 von Inoue durchgeführt und gilt aufgrund der guten Akut- und Langzeitresultate inzwischen als etabliertes Verfahren zur nicht-chirurgischen Behandlung der Mitralklappenstenose. Die Mitralklappenvalvuloplastie ist eine „Sprengung“ von verklebten und zum Teil auch verkalkten beweglichen Teilen der Mitralklappe mittels eines Ballons. Diese Eingriffe sind mit einem herzchirurgischen Eingriff abzuwägen (Risikoabwägung im Herzteam) und sollten sogar gemäß der Leitlinienempfehlungen dem chirurgischen Ersatz der Mitralklappe vorgezogen werden. Damit kann in der Regel eine Verbesserung dieser Krankheit für mehrere Jahre erreicht werden. Ein speziell für die Mitralklappe entwickelter Ballon (Inoue-Ballon) wird hierfür in die verengte Klappe eingeführt und dann kurz aufgedehnt. Dieser Eingriff eignet sich häufig eher bei jüngeren Patienten, bei denen die Mitralklappe nicht schwer verkalkt ist.

  • Trikuspidalklappeninsuffizienz

    Hintergrund

    Bei der Trikuspidalklappeninsuffizienz schließt die Trikuspidalklappe unvollständig, sodass es teilweise zum Rückfluss des Blutes Richtung Körpervenen kommt. Dies führt zur Stauung des Blutes zunächst in den Inneren Organen (z.B. Leber und Niere) was die Funktion des jeweiligen Organes beeinträchtigt und im weiteren Verlauf zur Anasammlung von Wasser im Bauchraum (Aszites) und unteren Extremitäten (Unterschenkel, Oberschenkel, etc.). Andere Symptome können Kurzatmigkeit (Dyspnoe) bei Belastung und allgemeine Schwäche sein. Wird die Diagnose einer hochgradigen Trikuspidalklappeninsuffizienz mittels Ultraschalluntersuchung gestellt, wird zunächst eine medikamentöse Therapie mit harntreibenden Mitteln (Diuretika) eingeleitet. Dies führt zu vermehrtem Harndrang und Ausschwemmung des sich im Körper angesammelten, überflüssigen Wassers. Ist der medikamentöse Effekt nicht von Dauer kommt es zu erneuten Beschwerden und andere Therapiemöglichkeiten sollten in Erwägung gezogen werden. In Abhängigkeit des zugrunde liegenden Mechanismus der Trikuspidalklappeninsuffizienz (z.B. Defekt der Klappensegel, Erweiterung des Klappenringes, etc.) kann die Trikuspidalklappe in den meisten Fällen repariert werden (Trikuspidalklappenrekonstruktion). In seltenen Fällen muss ein vollständiger Klappenprothese eingesetzt werden, wie z.B. bei Vorliegen einer Entzündung (Endokarditis) der Trikuspidalklappe.

    Moderne Behandlung der Trikuspidalklappeninsuffizienz

    Auch eine Trikuspidalklappeninsuffizienz kann, wie die Mitralklappeninsuffizienz, mittels neuer Technologien und Therapieverfahren schonend behandelt werden (z.B. Cardioband™ TR, MitraClip™ in Trikuspidalposition). Bisher wurden vergleichsweise noch nicht so viele Patienten mit diese Therapiemöglichkeiten in Form eines individuellen Heilversuches oder im Rahmen von Studien behandelt, allerdings zeigen bereits zahlreiche Untersuchungen, dass es sich um sichere Therapiemethoden handelt, deren langfristige Auswirkung auf die Prognose und das Wohlergehen der Patienten jedoch noch untersucht werden müssen.

  • Pulmonalklappe

    Die Pulmonalklappe ist nur selten bei erwachsenen Patienten erkrankt. Einige wenige Patienten können im Erwachsenenalter eine degenerative Pulmonalklappenerkrankung entwickeln, bei der es entweder zu einer Verengung (Pulmonalklappenstenose) oder Undichtigkeit (Pulmonalklappeninsuffizienz) kommen kann. Häufiger ist eine Pulmonalklappenerkankung bei Erwachsenen dann zu finden, wenn bereits in der Kindheit eine Pulmonalklappenerkrankung bestand und diese z.B. mit einem chirurgischen Klappenersatz behandelt wurde.

    In solchen Fällen kann die in der Kindheit behandelte Klappe später erneut eine Behandlung bedürfen. Bei Erwachsenen mit einer behandlungsbedürftigen Pulmonalklappenerkrankung kann in geeigneten Fällen ohne Operation durch einen Herzkathetereingriff eine neue Klappenprothese implantiert werden. Dabei wird z.B. eine ähnliche Klappe, wie sie für die Aortenklappenstenose eingesetzt wird (TAVI-Klappe) über die Leistenvene in das rechte Herz eingebracht und implantiert. Diese Eingriffe bei Erwachsenen werden in Zusammenarbeit mit der Herzchirurgie durchgeführt.

  • Interventionelle Schlaganfallprophylaxe

    Vorhofohrverschluss (LAA Verschluss)

    Etwa 20-30% aller Schlaganfälle entstehen als Folge einer Verschleppung von Blutgerinnseln (Thromben) aus dem Herz in eine Gehirnarterie. Insbesondere Patienten mit Vorhofflimmern haben ein erhöhtes Risiko, solche Thromben im Herz auszubilden. Dabei entstehen über 90% der Blutgerinnsel im Vorhofohr, einer sackartigen Ausstülpung der linken Herz-Vorkammer. Um das Risiko eines Schlaganfalls bei Patienten mit Vorhofflimmern zu reduzieren, müssen diese Patienten in aller Regel lebenslang blutverdünnende Medikamente (z.B. Marcumar, Pradaxa oder Xarelto) einnehmen. Eine solche Therapie ist allerdings mit einem erhöhten Blutungsrisiko – auch in lebenswichtige Organe, wie z.B. das Gehirn – verbunden.

    Seit einigen Jahren ist es möglich, über einen Herzkatheter-Eingriff das Vorhofohr zu verschließen. Dadurch können dort keine Blutgerinnsel mehr entstehen und somit keinen Schlaganfall oder andere embolische Gefäßverschlüsse mehr auslösen. Zahlreiche Untersuchungen konnten zeigen, dass bei Patienten mit Vorhofflimmern durch einen Katheter-geführten Vorhofohrverschluss Schlaganfälle genauso gut verhindert werden können wie mit einer Blutverdünnungstherapie. Von Fachgesellschaften wird dieser Eingriff bisher insbesondere für Patienten mit Vorhofflimmern und hohem Schlaganfall-Risiko als gute Therapie-Alternative empfohlen, für die aufgrund einer erhöhten Blutungsgefahr oder bereits stattgehabter Blutung eine Blutverdünnungstherapie zu riskant ist.

    Der Eingriff

    Für einen Vorhofohrverschluss wird unter örtlicher Betäubung und leichter Narkose (Sedierung) ein Katheter über die Leistenvene durch die große Hohlvene in die rechte Herz-Vorkammer eingeführt. Durch Punktion der Herzscheidewand gelangt der Katheter in die linke Herz-Vorkammer und von dort in das Vorhofohr. Über den Katheter wird ein Schirmchen (Vorhofohr-Okkluder) in das Vorhofohr eingeführt und anschließend dort entfaltet, so dass der Eingang des Vorhofohres verschlossen wird. Das Schirmchen wächst im Verlauf ein und wird von Gefäßinnenhaut überzogen.

    Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten und der Patient muss in der Regel nur für eine Nacht im Krankenhaus bleiben. Das Schirmchen wächst im Verlauf in der Vorhofscheidewand ein und wird von Gefäßinnenhaut überzogen. Für die Zeit der Einheilungsphase ist eine Blutplättchenhemmung mit 2 Medikamenten (ASS und Clopidogrel) für 12 Wochen erforderlich. Dann wird in einer transösophagealen Ultraschalluntersuchung (TEE) das Schirmchen kontrolliert. Anschließend kann die Medikation mit Clopidogrel beendet werden, ASS sollte jedoch lebenslang eingenommen werden.

    Persistierendes Foramen Ovale

    Das offene Foramen ovale ist eine Verbindung zwischen der rechten und linken Herz-Vorkammer, welche als wichtiger Bestandteil des embryonalen Blutkreislaufs vor der Geburt bei allen Menschen offen ist. Nach der Geburt soll es sich im Rahmen von Anpassungsprozessen durch Beginn der Lungenatmung verschließen. Bei ca. 25% aller Menschen erfolgt ein solcher Verschluss nicht vollständig. Man spricht von einem „persistierenden Foramen ovale“ (PFO). In der Regel verursacht ein PFO keinerlei Beschwerden und muss nicht behandelt werden. Unter bestimmten Umständen, die eine Drucksteigerung in der rechten Herz-Vorkammer verursachen (z.B. Husten, Niesen, Pressen), kann es zu einem Blutübertritt über das PFO in die linke Herz-Vorkammer kommen. Kleine Blutgerinnsel (Thromben), die meist im venösen System des Körpers entstehen, werden normalerweise in der Lunge abgefangen. Wenn sie allerdings mit dem Blutstrom über ein PFO in die linke Herz-Vorkammer und somit in das arterielle System gelangen (man spricht von „paradoxer Embolie“), kann das fatale Folgen haben, solche Thromben in die Blutstrombahn des Gehirns gelangen und dort Gefäßverschlüsse verursachen können, was einen Schlaganfall auslöst (siehe Kryptogenes Schlaganfallzentrum am Marienkrankenhaus).

    Kathetergeführter Verschluss eines persistierenden Foramen ovale (PFO)

    Um erneute Schlaganfälle oder andere Embolie zu verhindern müssen dauerhaft blutverdünnende Medikamente wie Aspirin (ASS) oder Phenprocoumon (Marcumar) eingenommen werden, die jedoch einen unzureichenden Schutz bieten. Alternativ ist es möglich, über einen Herzkatheter-Eingriff das PFO zu verschließen. Zuvor sollten andere einem Schlaganfall möglicherweise zugrundeliegende Ursachen ausgeschlossen werden, wie z.B. Vorhofflimmern, höhergradige Gefäßeinengungen der Halsschlagadern und Blutgerinnungsstörungen, diese Faktoren werden beim uns in einem interdisziplinären Ansatz im Kryptogenes Schlaganfallzentrum am Marienkrankenhaus diskutiert und ausgeschlossen. Wird entschieden das PFO zu verschließe, wird unter örtlicher Betäubung und leichter Narkose (Sedierung) ein Katheter über die Leistenvene in die rechte Herz-Vorkammer und von dort über das persistierende Foramen ovale in die linke Herz-Vorkammer eingeführt. Über diesen Katheter wird ein Schirmchen, welches an der Vorhofscheidewand befestigt wird und somit das PFO verschließt, unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle („Schluckecho“) freigesetzt.

    Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten; der Patient muss in der Regel nur für eine Nacht im Krankenhaus bleiben. Anschließend ist für die Zeit der Einheilungsphase eine Blutplättchenhemmung mit 2 Medikamenten (ASS und Clopidogrel) für 6-12 Wochen erforderlich. ASS sollte für insgesamt 6 Monate (besser bis zu 5 Jahre) nach erfolgtem PFO-Verschluss eingenommen werden. Anschließend ist in der Regel keine weitere Medikamenteneinnahme mehr erforderlich. Das Schirmchen wächst im Verlauf in der Vorhofscheidewand ein und wird von Gefäßinnenhaut überzogen.

  • Vorhofseptumdefekt

    Hintergrund

    Die einfachste Form eines Vorhofseptumdefektes ist das persistierende Foramen ovale (PFO, s. eigenes Kapitel). Darüber hinaus gibt es aber auch Vorhofseptumdefekte, die nicht auf einem unvollständigen Verschluss des Foramen ovale nach der Geburt beruhen, sondern unabhängig vom embryonalen Blutkreislauf als Folge einer Fehlanlage der Vorhofscheidewand entstehen und als Loch zwischen der rechten und linken Herz-Vorkammer eine Kurzschlussverbindung verursachen. Es handelt sich um den dritthäufigsten angeborenen Herzfehler. Es wird zwischen einem Septum Primum Defekt (ASD I) und einem Septum Sekundum Defekt (ASD II) unterschieden. Ein ASD I tritt deutlich seltener auf. Der Defekt liegt im unteren Anteil der Vorhofscheidewand und ist oft mit Fehlfunktionen der Herzklappen verbunden. Ein ASD I sollte immer herzchirurgisch verschlossen werden. Ein ASD II tritt deutlich häufiger auf. Der Defekt liegt in der Regel im mittleren Anteil der Vorhofscheidewand. Seine Größe kann sehr unterschiedlich sein. Durch Blutdruckunterschiede zwischen den beiden Herz-Vorkammern fließt eine je nach Defektgröße mehr oder weniger ausgeprägte Blutmenge von der linken in die rechte Herz-Vorkammer („Links-Rechts-Shunt“). Es kommt in der Folge zu einer Zunahme der Durchblutung der rechten Herzhälfte und der Lungenstrombahn. Diese Volumenüberlastung der rechten Herzkammer und des Lungengefäßbettes wird in der Regel lange ohne bedeutsame Beschwerden vertragen. Daher werden Vorhofseptumdefekte häufig erst im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter festgestellt. Ein Katheter-geführter Verschluss eines Vorhofseptumdefektes (ASD II) sollte unabhängig von Symptomen bei signifikantem Shuntvolumen (im Ultraschall Zeichen der Rechtsherzbelastung) erfolgen.

    Kathetergeführter Verschluss eines Vorhofseptumdefektes (ASD II)

    Voraussetzung für einen Katheter-geführten Verschluss ist eine geeignete Anatomie (Defekt nicht zu groß, mittige Lage, ausreichende Ränder). Alternativ muss eine herzchirurgische Operation durchgeführt werden. Auch bei Verdacht auf eine „paradoxe Embolie“ sollte nach Ausschluss anderer Embolieursachen, unabhängig von der ASD-Größe, ein Verschluss des Vorhofseptumdefektes erfolgen. Vor Katheter-geführtem Verschluss eines ASD II muss immer ein sog. „Sinus venosus Defekt“ (sehr seltene Form eines Vorhofseptumdefekts im oberen Anteil der Vorhofscheidewand) und eine Lungenvenenfehlmündung ausgeschlossen werden (mittels „Schluckecho“ und Herzkatheteruntersuchung). Für einen ASD II -Verschluss wird unter örtlicher Betäubung ein Katheter über die Leistenvene in die rechte Herz-Vorkammer und von dort über den Vorhofseptumdefekt in die linke Herz-Vorkammer eingeführt. Über diesen Katheter wird ein Schirmchen, welches an der Vorhofscheidewand befestigt wird und somit den ASD II verschließt, unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle („Schluckecho“) freigesetzt. Das Schirmchen wächst im Verlauf in der Vorhofscheidewand ein und wird von Gefäßinnenhaut überzogen. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten. Der Patient muss in der Regel nur für eine Nacht im Krankenhaus bleiben. Anschließend ist für die Zeit der Einheilungsphase eine Blutplättchenhemmung mit 2 Medikamenten (ASS und Clopidogrel) für 6-12 Wochen erforderlich. ASS sollte für insgesamt 6 Monate - besser dauerhaft - nach erfolgtem ASD II -Verschluss eingenommen werden.

  • Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM)

    Hintergrund

    Die Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM) ist eine angeborene Erkrankung des Herzens bei der ein Gendefekt zu einer Verdickung der Herzmuskulatur führt (Häufigkeit 1:500) und entwickelt sich häufig schon bei jungen Patienten. Diese Verdickung des Herzmuskels kann zu einer Verengung der linken Herzkammer führen und so den Blutfluss im Herzen behindern. Dies kann zu Kurzatmigkeit (Dyspnoe), Brustenge (Angina Pectoris), Herzrasen oder Herzstolpern, Schwindel und Bewusstlosigkeit, oder allgemeiner Schwäche führen. Im schlimmsten Fall kann es in seltenen Fällen zum plötzlichen Herztod kommen.

    Eine ausreichende medikamentöse Therapie der HOCM gibt es nicht immer. Daher wurde ein Katheter-gestütztes Verfahren, die TASH (Transkoronare Ablation der Septumhypertrophie) entwickelt, um die Verdickung der Herzwand zu reduzieren.

    Der Eingriff

    Bei der TASH wird über einen Herzkatheter Alkohol in ein bestimmtes Herzkranzgefäß injiziert. Dadurch wird künstlich ein kleiner Herzinfarkt in diesem Bereich verursacht wodurch der verdickte Herzmuskel abgebaut und  der Blutfluss normalisiert wird. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten. Der Patient muss in der Regel nur für wenige Tage im Krankenhaus bleiben.

  • Moderne Therapie von Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

    Hintergrund

    Die arterielle Hypertonie ist einer der wichtigsten Risikofaktor für die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine optimale medikamentöse Blutdruckeinstellung ist von entscheidender Bedeutung um diese Erkrankungen zu verhindern. Bei Patienten mit schwer einstellbarem arteriellen Hypertonus trotz bestmöglicher medikamentöser Therapie erwies sich die renale Denervation als eine neue Therapiemöglichkeit. Dabei werden sympathische Nervenbahnen im Bereich der Nierenarterien werden durch ein speziell entwickeltes Kathetersystem verödet. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten und wird unter lokaler Betäubung durchgeführt. Der Patient muss in der Regel nur für eine Nacht im Krankenhaus bleiben.

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