Familiale Pflege

Nach einem Krankenhausaufenthalt muss vieles neu geregelt werden, praktische und formale Dinge. Doch was bedeutet das eigentlich für Sie als Ehepartner, Tochter, Enkel oder Bruder konkret?

Noch ist der Angehörige im Krankenhaus, aber der Entlassungstermin rückt immer näher. Sie haben das Gefühl, Dinge entscheiden zu müssen, die Sie gar nicht entscheiden können, weil Ihnen die notwendigen Informationen fehlen. Was bedeutet es zum Beispiel, mit einem an Demenz Erkrankten zu leben? Wie bekomme ich jemanden vom Bett in den Stuhl, der seinen rechten Arm und sein rechtes Bein nicht mehr spürt? Wie versorge ich eine Magensonde? Und nun?

Nach Hause - aber sicher

Pflegetrainierin im Gespräch
Pflegetrainerin Barbara Rönfeldt im Gespräch mit einer Angehörigen.

Das Marienkrankenhaus Hamburg möchte Sie als betroffenen Angehörigen in dieser schwierigen Situation unterstützen. Dazu gibt es im Haus eine Krankenschwester, die speziell weitergebildet ist, um die Rückkehr pflegebedürftiger Patienten in die häusliche Umgebung zu unterstützen und zu begleiten.

Dieses von der Universität Bielefeld betreute und von der AOK finanzierte Modell-Programm ist für alle teilnehmenden Familien kostenlos. Dazu gehört in einem ersten Schritt möglicherweise die Beantwortung von Fragen rund um das Thema Pflege, damit Sie als Angehörige(r) auf der Basis fundierten Wissens sich dafür entscheiden können, die häusliche Pflege ganz oder teilweise zu übernehmen. Sollten Sie sich dafür entscheiden, arbeiten Pflegetrainerin, Sozialdienst-MitarbeiterInnen und TherapeutInnen gemeinsam mit Ihnen an einer optimalen, individuell angepassten Versorgung mit Hilfsmitteln und sorgen ggf. für Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst.

Angehörigenschulung – gewusst wie

Pflegetrainerin gibt Tipps
Bereits im Krankenhaus erhalten Angehörige Tipps und Anleitungen zur häuslichen Pflege.

Gute Pflege ist kein Hexenwerk. Sie kann gelernt werden, aber sie muss auch gelernt werden. Die Pflegetrainerin klärt im Gespräch, welche pflegerischen Maßnahmen Ihr Angehöriger braucht und erarbeitet mit Ihnen alle erforderlichen Pflegetechniken. Idealerweise beginnt dieses auf Ihre individuelle Situation zugeschnittene Pflegetraining bereits im Krankenhaus, damit Sie gut vorbereitet und mit einem guten Gefühl in die Pflege zu Hause starten. Da viele Angehörige älterer PatientInnen selbst bereits älter sind und/oder körperliche Einschränkungen haben, erarbeitet die Pflegetrainerin mit Ihnen Bewegungs- und Lagerungstechniken, die körperlich schonend sind und die die Pflegeumgebung möglichst optimal nutzen.

Dazu kommt die Pflegetrainerin auf Wunsch auch zu Ihnen nach Hause und prüft, ob durch den Einsatz von Hilfsmitteln, z.B. Badewannensitz oder das Umstellen von Möbeln die Pflege erleichtert werden kann. In der Häuslichkeit wird dann das im Krankenhaus begonnene individuelle Pflegetraining fortgesetzt und vertieft. Dies ist in einem Zeitraum von bis zu sechs Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus möglich.

‚Doing family‘ – gemeinsam geht’s leichter

Pflege ist körperlich anstrengend und seelisch belastend. Untersuchungen der Universität Bielefeld, die das Modellprojekt wissenschaftlich betreut, haben gezeigt, dass in Familien häufig nur eine Person pflegt und diese schnell isoliert ist. Daher ist es ein besonderes Anliegen des Projektes, dieser Gefahr der Isolation vorzubeugen, indem Pflege-Netzwerke geknüpft werden. Ein wichtiger Schritt besteht darin, den Begriff ‚Familie‘ sehr weit zu fassen. ‚Familie‘ sind die Menschen, die ich zu meiner Familie rechne (das meint „doing family“).Vielleicht gehört zu Ihrer Familie ja die Nachbarin, die Sie seit zwanzig Jahren kennen, und vielleicht wäre diese Nachbarin bereit, Ihnen beim wöchentlichen Einkauf zu helfen. Die Pflegetrainerin ist speziell darin geschult, Sie im Aufbau dieser Pflege-Netzwerke zu unterstützen und kann sich mit allen an der Pflege Beteiligten zusammensetzen, um zu einer Lösung zu kommen, die alle mittragen können und die niemanden überfordert.

Auch, aber nicht nur zur Vermeidung von Isolation der pflegenden Angehörigen bietet das Marienkrankenhaus Hamburg sogenannte Initial-Pflegekurse an. Hier lernen Sie als Angehörige(r) an drei Nachmittagen praktische Tipps und Tricks zu den Themen Mobilisation, Inkontinenzversorgung und Pflege bei Bettlägerigkeit. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, sich mit anderen Angehörigen auszutauschen. Für Menschen, die einen an Demenz Erkrankten betreuen, gibt es ein besonders gestaltetes Angebot, da dies mit speziellen Herausforderungen verbunden ist. Die aktuellen Kurstermine finden Sie immer in unserem Veranstaltungskalender.

Aktuelle Kurstermine:
Montag, 6./ 13./ 20. November 2017 jeweils von 16:00 bis 20:00 Uhr
Anmeldung bei Barbara Rönfeldt.

Noch Fragen?

Sie haben weitere Fragen oder wollen sich erst einmal unverbindlich informieren? Schauen Sie gern in der Offenen Sprechstunde am Dienstag von 15:30 bis 17:30 Uhr in den Räumen der Geriatrischen Tagesklinik (Haus 2, Bereich 7 - barrierefrei) vorbei.

Kontakt und Anmeldung

Barbara Rönfeldt M.A. | Familiale Pflege, Angehörigenschulung
Familiale Pflege, Angehörigenschulung

Barbara Rönfeldt M.A.

  • Besondere Spezialisierungen und Tätigkeiten

    • Krankenschwester
    • Pflegeberaterin
    • Dekubitusexpertin
    • Erfahrung in der Erwachsenenbildung

Das Angebot

3x montags, 16:00 bis 20:00 Uhr

Aktuelle Kurstermine 2017
6./13./20. November 2017