Shunt ist nicht gleich Shunt:
Hilfe für nierenkranke Patienten 

Was hat ein Gefäßchirurg mit nierenkranken Patienten zu tun? Primär erstmal nichts. Wird eine Nierenfunktionsstörung, also ein Verlust der Blut-Filtermöglichkeiten, diagnostiziert, sind in erster Linie Nephrologen gefragt.

Doch das Marienkrankenhaus Hamburg behandelt seit Frühjahr 2017 in seinem eigenen Shunt-Zentrum mit dem Schwerpunkt der Dialysezugangchirurgie Patienten mit Nierenerkrankungen. Dr. Christos Petridis leitet die Gefäßchirurgie am Marienkrankenhaus in Hamburg. Auch wenn der Arzt schon alleine mit seinem jugendlichen Charme überzeugen könnte, versteht er es noch mehr mit Ruhe und Einfühlungsvermögen auf seine Patienten einzugehen.

Arzt erklärt Patientin die OP
Vor der Operation: Dr. Petridis mit seiner Patientin Brigitte Tilger

Brigitte Tilger (70) ist von ihrem Nephrologen an die spezielle Shuntsprechstunde überwiesen worden. Die schmale, lebensbejahende, ehemalige Sekretärin ist leidgeprüft. Schon seit zehn Jahren hat sie Probleme mit ihren Gefäßen. Vor einem Jahr musste dann die Hauptschlagader operiert werden. Unglücklicherweise gehört Frau Tilger zu jenem Anteil der Patienten, die nach der Operation eine Nierenfunktionsstörung bekamen. Schon im Krankenhaus musste Frau Tilgers Blut gewaschen werden.

Die Versorgung nierenkranker Patienten ist eine diffizile und fächerübergreifende Angelegenheit.

Brigitte Tilger: “Ich bekam einen Zugang unterhalb des Schlüsselbeins gelegt und bin seither in der Dialyse in Behandlung. Mein Nephrologe hat mir aber gleich am Anfang gesagt, dass dieser Katheter keine Dauerlösung sei und ich einen Shunt brauchen werde.“

Gefäßchirurgie am Marienkrankenhaus

„Unsere Shunt-Patienten haben häufig nicht nur eine Erkrankung, sondern meistens einen langen Weg durch unterschiedliche medizinische Institutionen hinter sich. Da ist es besonders wichtig, auch aus gefäßchirurgischer Sicht, ganzheitlich zu denken. Wir im Marienkrankenhaus sind nicht an kurzfristigen Erfolgen interessiert, sondern an langfristigen Problemlösungen", so der Gefäßchirurg.

Dr. Petridis hatte dem Nephrologen von Frau Tilger von einer neuen, innovativen Möglichkeit erzählt, die Erfolgsrate bei Shunt-Operationen zu erhöhen. Mit einem kleinen Drahtnetz, dem VasQ™-Device, wird die benötigte Vene gestützt.

Brigitte Tilger: “Mir wurden die Vorteile des neuen Systems in aller Ruhe erläutert, so dass ich mich bewusst für eine Behandlung im Marienkrankenhaus entschieden habe.“ 

Gefäßchirurg Petridis bei der Shunt-Erstanlage im modernen Zentral-OP im Marienkrankenhaus

Filigrane Shunt-Corsage

Bei einer Nierenfunktionsstörung kann eine mögliche Therapie die Blutwäsche, die sogenannte Dialyse sein. Diese Therapie kann kurzfristig zur Unterstützung der Nieren angewendet werden, sie kann bei chronischen Erkrankungen aber auch lebenslang notwendig sein. Die Patienten müssen dann drei- bis viermal in der Woche an ein Gerät angeschlossen werden, dass die sogenannten harnpflichtigen Stoffe aus dem Blut herausfiltert.

Um das Blut der Patienten von den Abfallprodukten zu reinigen, muss ein Zugang in das Gefäßsystem gelegt werden. Ideal wäre es eine Arterie zu nehmen. Die liegen aber in der Tiefe und sind außerdem nur schmerzhaft zu punktieren. Die Venen, die unter der Haut liegen sind zwar gut zu finden, haben aber einen zu geringen Blutdurchfluss.

Vor ungefähr 50 Jahren nähten zwei Gefäßchirurgen eine Arterie und eine Vene im Unterarm zusammen. Sie hatten die Hoffnung, dass sich die Vene durch den höheren Blutdruck verändern würde und somit zu einem „Idealgefäß“ für den Anschluss an die Dialyse werden könnte. Sie hatten Recht, die Ciminofistel wird auch heute noch nahezu unverändert verwendet.

Dazu Dr. Petridis: „Auch wenn die Ciminofistel sich als Standard durchgesetzt hat, erfordert die Shuntchirurgie als diffiziles Spezialgebiet der Gefäßchirurgie ein hohes Maß an Detailverliebtheit.

Stent mit Corsage: Diese neuartige Vorrichtung hält die Gefäße im bestmöglichen Winkel und optimiert so die die Strömungsbedingungen des Blutes.

Fortschritt für Shunt-Chirurgie 

Die ersten Studienergebnisse auf einem internationalen Kongress in London untermauerten das hohe Potential dieses neuen Devices und die Möglichkeit, nierenkranke Patienten besser zu versorgen.

Dr. Petridis über VasQ™: "Auch hier werden eine Arterie und eine Vene in der Ellenbeuge verbunden. Zusätzlich wird über die an die Oberfläche gehende Vene noch eine Art Korsage geschoben, die sich unten mit zwei kleinen Armen an der Arterie festhält." Somit ist sichergestellt, dass die Vene in einem Idealwinkel von 50 Grad zur Arterie steht und die Strömungsbedingungen des Blutes optimiert werden. Erfahrungen belegen, dass dies bei weit über 85 Prozent der Patienten zu einem dauerhaften Erfolg führt.

Bei Brigitte Tilger wird sich die Vene in den nächsten sechs Wochen so verändern, dass ihr Nephrologe das Gefäß zum Anschluss an das Dialysegerät verwenden kann. Frau Tilger freut sich darauf, den Katheter los zu werden: „Die Operation war völlig unproblematisch, ich habe noch nicht einmal Wundschmerzen gehabt.

Dr. Petridis: „Ich freue mich, die Implantation dieses speziellen Devices jetzt auch in Norddeutschland anbieten zu können, mit dem wir die Versorgung von nierenkranken Patienten künftig weiter verbessern werden.“

Frau Tilger sitzt am Fenster
Nach vielen Eingriffen in den letzten Jahren: Brigitte Tilger einige Tage nach der Shunt-Operation bei sich zu Hause.

Ihr Experte

Dr. med. Christos Petridis | FEBVS, FICS
FEBVS, FICS

Dr. med. Christos Petridis

  • Besondere Schwerpunkte

    • pAVK-Chirurgie (operative Therapie der sog. "Schaufensterkrankheit") 
    • Endovaskuläre und offene Aortenaneurysma-Operationen
    • Dialysezugangs-Chirurgie
    • Hybrid-Revaskularisation (kombinierte, offen-chirurgische und interventionelle Therapie)
    • Carotis-Chirurgie
    • Septische Gefäßchirurgie (operative Behandlung von Infektionserkrankungen) 
    • Amputations-/Wundchirurgie
  • Mitgliedschaft in Fachgesellschaften

    • Deutsche Gesellschaft für Chirurgie
    • Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie
    • Vereinigung norddeutscher Gefäßmediziner
    • European Society for Vascular Surgery
    • European Board of Vascular Surgery
    • Hellenic Society for Vascular Surgery
    • Anglo-german Medical Society
    • British Society of Endovascular Therapy
    • Michael E. DeBakey International Surgical Society
    • Vascular Access Society
    • International College of Surgeons
  • Weiterbildungen

    • Facharzt für Gefäßchirurgie
    • Zertifizierter Endovaskulärer Chirurg (DGG)
    • Fellow of the European Board of Vascular Surgery  (U.E.M.S.)
    • Fachkunde Strahlenschutz: Notfalldiagnostik bei Erwachsenen und Kindern (Röntgendiagnostik) für Schädel-, Stamm- und Extremitätenskelett, Thorax, Abdomen
    • Fachkunde Strahlenschutz: Röntgendiagnostik Gefäßsystem, Interventionen Gefäßsystem
  • Lebenslauf

    04/2017 Leitender Arzt der Gefäßchirurgie am Marienkrankenhaus Hamburg, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
    04/2017FICS - Fellow of the International College of Surgeons
    09/2015 FEBVS – Fellow of the European Board of Vascular Surgery (U.E.M.S.) 
    06/2015 Zertifizierung als Endovaskulärer Chirurg (DGG) 
    04/2015Oberarzt der Gefäßchirurgie am Gefäßzentrum Elmshorn, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, und Gefäßchirurgie, Sana Regioklinik Elmshorn 
    03/2015Fachkunde Strahlenschutz: Röntgendiagnostik Gefäßsystem
    Fachkunde Strahlenschutz: Interventionen Gefäßsystem 
    01/2015Fachkunde Strahlenschutz: Notfalldiagnostik bei Erwachsenen und Kindern (Röntgendiagnostik) für Schädel-, Stamm- und Extremitätenskelett, Thorax, Abdomen
    10/2014Facharzt für Gefäßchirurgie 
    10/2012 - 11/2014Assistenzarzt an der Abteilung für Gefäßchirurgie, Gefäßzentrum Reinbek, Krankenhaus Reinbek St. Adolf Stift 
    04/2010 - 09/2012 Assistenzarzt an der Abteilung für Gefäßchirurgie, Gefäßzentrum Hamburg Ost, Asklepios Klinikum Wandsbek
    05/2008 - 03/2010Assistenzarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Amper-Klinik Dachau
    11/2007 - 04/2008 Assistenzarzt an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums München, Technische Universität München
    10/1999 - 06/2007Studium der Humanmedizin, Universität Hamburg
    Geboren am 13.05.1980 in Hamburg
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